Zen Friedenstrasse

Zen-Weg und Hintergrund

Die Zen-Meditation ist ein spiritueller Erfahrungsweg, der uns zum unverstellten Erleben der Wirklichkeit in ihrem fortwährenden lebendigen Erscheinen führt. In der Übung des wachen Gegenwärtig-Seins ergründen wir unser Wesen und erkennen es als grenzenlose Weite, die weder durch unseren Charakter noch durch unsere Alltagsrollen definiert ist. Die Gewohnheit, uns auszudenken, wer wir sind, verliert an Wichtigkeit zugunsten gelassener Offenheit in uns selber und in allem, was ist. Im Licht dieses Bewusstseins wird alles Seiende akzeptiert und als erfüllende Einheit wahrgenommen, die keine Definition erfordert. Längere Meditation auf dem Zenweg befreit uns von tiefen existentiellen Ängsten und von Gefühlen der Anspannung, der Isolation und des Mangels; sie schenkt uns innere Beheimatung und Freiheit und öffnet uns für alle Töne und Farben der Welt.
Auf dem Zen-Weg entfaltet sich die seelische Bereitschaft für das Sehen unserer Wesensnatur (jap. Kenshō), in dem wir die Einheit allen Lebens wahrnehmen. Schliesslich entfällt die Identifikation mit dem diskursiven Denken und den eingrenzenden Bildern des eigenen Ich. Die Manifestation dieser inneren Stille wird im Zen Satori genannt.

Zen hat seinen Ursprung in der Erkenntnis Siddharta Gautamas, des historischen Buddha, dass sich die Wurzel unseres seelischen Leidens an den Lebensumständen freilegen lässt. Er machte die Erfahrung, dass sich durch eine veränderte innere Haltung der aus Anhaftungen entspringende Schmerz auflöst. Seine Einsicht, die Erwachen genannt wird, gab er weiter als Lehre und Übungspraxis, die im Verlauf von 2500 Jahren von Indien nach China und Japan und von dort in den Westen gelangte. Das zu Mitgefühl und einer weisen Lebenshaltung führende innere Erwachen kann jeder Mensch unabhängig von seinem kulturellen Hintergrund verwirklichen.
 

Zen-Meditation und Zen-Schulung

Im Zazen (Sitzen in Meditation) meditieren wir nicht mit einem seelischen Objekt oder einem spirituellen Thema. Vielmehr lassen wir die im Geist auftauchenden Bilder, Gedanken und Gefühle weiterziehen, ohne sie benennen oder besitzen zu wollen, so wenig wie die Sinneseindrücke, die sich uns anbieten. In einer fortlaufenden Übung des Loslassens und des Gegenwärtigseins kommt das Denken zur Ruhe, und wir finden ins Samadhi, einen wachen und stillen Zustand der Versenkung. Auf dieser Grundlage entfaltet sich eine tiefgreifende Befreiung in die Fülle des Seins.

Im Zendo Inneres Lind werden die Meditierenden von der Zen-Assistenzlehrerin (jap. Hōshi) angeleitet und begleitet. Das Zendo bietet Einführungen, Übungstage mit Vorträgen und Einzelgesprächen, Abend- und Morgenmeditationen an.

Der Zenweg kann vertieft werden mit dem Eingehen einer Schülerschaft bei einem autorisierten Zenlehrer oder einer Zenlehrerin. In Zazenkai, Sesshin (mehrtägigen Kursen) und im meditativen Erkunden von Koan (erhellenden Zentexten) wird man dabei von einem Menschen mit langjähriger Zen-Erfahrung unterstützt. (Beratung und Information im Zendo).
 

Hinweise zum Sitzen